{"id":749,"date":"2008-07-28T22:50:26","date_gmt":"2008-07-28T22:50:26","guid":{"rendered":"https:\/\/hbgr.org\/?p=749"},"modified":"2008-07-28T22:50:26","modified_gmt":"2008-07-28T22:50:26","slug":"wieder-nazi-feier-auf-dem-ohlsdorfer-friedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hbgr.org\/wieder-nazi-feier-auf-dem-ohlsdorfer-friedhof\/","title":{"rendered":"Wieder Nazi-Feier auf dem Ohlsdorfer Friedhof"},"content":{"rendered":"<p style=\" text-align: justify\" ><span>Am Sonntag, d. 27. Juli 2008 demonstrierten 50 Antifaschistinnen und Antifaschisten auf dem Ohlsdorfer Friedhof am Mahnmal f&uuml;r die Hamburger Bombenopfer gegen die dort <span>&nbsp;<\/span>j&auml;hrlich stattfindenden Nazi-Feiern zu Ehren &bdquo;der Opfer des alliierten Bombenterrors&ldquo;.<\/p>\n<p>Trotz Vorgespr&auml;che mit der Friedhofsleitung konnte diese Feier am Vortag ungest&ouml;rt von Friedhofsverwaltung und Polizei stattfinden. Seit mindestens 2004 nehmen die Nazis die alliierten Bombardierungen Hamburgs im Sommer 1943 zum Anlass, um am offiziellen Mahnmal f&uuml;r die Bombenopfer eine &bdquo;Trauerfeier&ldquo; abzuhalten. Diese &bdquo;Tradition&ldquo; ging urspr&uuml;nglich von dem DVU-Funktion&auml;r Gerhard Teppris aus, der 2003 auch auf einem Neonazi-Aufmarsch der Hamburger NPD sprach. Nach seinem Tod f&uuml;hren Neofaschisten aus NPD, DVU und den sog. &bdquo;Freien Nationalisten&ldquo; das Werk von Teppris &bdquo;B&uuml;rgerinitiative Hamburger Opfer unvergessen&ldquo; fort.<\/span><\/p>\n<p><span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span><strong>Die Umkehr von Opfern und T&auml;tern<\/p>\n<p><\/strong><\/span><span>Jedes Jahr kommen 50-70 Unverbesserliche mit Fahnen und Trauerkr&auml;nzen, um die Geschichte des deutschen Faschismus in ihrem Sinne zu verdrehen und trauern exklusiv den Deutschen Opfern der alliierten Bombardierungen Hamburgs. Sie erw&auml;hnen weder den Zweck der Bombardierungen, n&auml;mlich den Krieg so schnell wie m&ouml;glich zu beenden, noch erw&auml;hnen sie, dass Deutschland den Krieg begann und als &bdquo;Vernichtungskrieg&ldquo; gegen die Bev&ouml;lkerung Osteuropas f&uuml;hrte. Es war die deutsche Legion Condor, von Hitler zu seinem Verb&uuml;ndeten Franco geschickt, die schon 1936, also vor dem Beginn des II. Weltkrieges, die baskische Stadt Guernica mit Flugzeugen in Schutt und Asche legte und die Zivilbev&ouml;lkerung ausl&ouml;schte. Eine Strategie die wenig sp&auml;ter z.B. im englischen Coventry ebenfalls praktiziert wurde, lange bevor die Alliierten zu diesem Mittel griffen. Es war die Deutsche Bev&ouml;lkerung die nach Goebbels Sportpalastrede &ndash; &bdquo;Wollt Ihr den Totalen Krieg?&ldquo; begeistert mit &bdquo;Ja&ldquo; antwortete und in gro&szlig;en Teilen fanatisch an den Endsieg glaubte und an der &bdquo;Heimatfront&ldquo; verbissen standhielt. Mit dieser verl&auml;sslichen Volksgemeinschaft im R&uuml;cken konnten Wehrmacht und SS bis zur milit&auml;rischen Niederlage auch die Vernichtung der europ&auml;ischen Juden mit industriellen Methoden betreiben. Vor diesem Hintergrund ist es verst&auml;ndlich, dass die Alliierten sich von Bombardierungen deutscher St&auml;dte eine Zerm&uuml;rbung der Bev&ouml;lkerung und eine Schw&auml;chung der Heimatfront erhofften. Selbst wenn bei den Bombenangriffen auf Hamburg auch Unschuldige, Kinder oder sogar AntifaschistInnen umkamen, waren sie n&ouml;tig, um so schnell wie m&ouml;glich die deutsche Mordmaschinerie zu stoppen.<\/p>\n<p><\/span><span>Die Nazis hingegen machen die T&auml;ter zu Opfern, leugnen die deutsche Kriegschuld sowie die im deutschen Namen begangenen und in der Geschichte einmaligen Verbrechen und erkl&auml;ren die Befreier vom Faschismus zu Verbrechern.<br \/><\/span><span>2005 schrieben die Neonazis anl&auml;sslich ihrer Feier &bdquo;dass einzig und allein die Alliierten selbst die Schuld am Tod von rund einer Million deutschen Bombenopfern tragen.&ldquo; &Uuml;ber die angeblichen Motive der Hitler-Gegner behaupteten sie 2004 anl&auml;sslich ihres Aufmarsches auf dem Friedhof, sie &bdquo;wollten niemals V&ouml;lker befreien, sondern unterjochen, qu&auml;len und foltern.&ldquo;<span>&nbsp; <br \/><\/span><br \/><strong>Generationen und Spektren&uuml;bergreifend<br \/><\/strong><br \/><span>Die seit mindestens 2004 inszenierten Nazi-Feiern haben aber auch eine besondere Binnenwirkung f&uuml;r die hanseatische Szene. Hier kommen junge, militante Kameradschafter mit alten NPD- und DVU-Mitgliedern, die noch immer vom Dritten Reich schw&auml;rmen, zusammen. Die Leugnung von Kriegsschuld, Kriegsverbrechen und Holocaust bringt Spektren zusammen, die sonst in der &Ouml;ffentlichkeit eher mal auf Abstand gehen. Dieses Spektrum spiegelt sich auch in den Rednern der allj&auml;hrlichen Feiern wieder.<\/span><span>Neben DVU-Funktion&auml;r Teppris, der bis 2006 scheu&szlig;liche Gedichte vortrug, sprach 2005 der wegen Volksverhetzung verurteilte Kader Thomas Wulff, zeitweilig t&auml;tig im Bundesvorstand der NPD. 2006 durfte Klaus-Cristoph Marloh die Trauer-Rede halten. Er ist beliebter Redner in Kreisen von Holocaust-Leugnern und einer der Stars der Hamburger Neonazis, weil er als U-Boot Offizier in Hitlers Marine diente und bis heute seiner braunen Gesinnung treu geblieben ist. 2007 durfte dann laut Augenzeugen der Hamburger NPD-Vize Karl-Heinrich G&ouml;bel, Anf&uuml;hrer eines Angriffes auf eine Veranstaltung der DGB-Jugend, zur braunen Gemeinde sprechen.<\/p>\n<p><\/span><span><strong>Schluss mit NS-Verherrlichung und Geschichtsklitterung !<\/p>\n<p><\/strong><\/span><span>Die Nazis k&ouml;nnen deshalb ungest&ouml;rt jedes Jahr ihre &ouml;ffentliche Propaganda-Show abhalten, weil Friedhofsverwaltung und Polizei sie gew&auml;hren lassen. Der Verwaltung ist die Problematik seit Jahren bekannt, allerdings schlie&szlig;t sie jedes Jahr das, sonst verschlossene, Mahnmal extra f&uuml;r die Kranzablage auf. Die Polizei ihrerseits eskortiert das braune Pack allj&auml;hrlich auf den Friedhof, damit es dort sein Spektakel ungest&ouml;rt abhalten kann. Dabei sind Friedh&ouml;fe keineswegs ein Ort wo Nazis beliebig ihr Unwesen treiben k&ouml;nnen &ndash; auf dem Soldatenfriedhof im brandenburgischen Halbe, wo eine der letzten Kesselschlachten des II. Weltkrieges stattfand, haben die NS-Verherrlicher schon lange Aufmarschverbot. Es wird dringend n&ouml;tig, den Druck auf die Friedhofsverwaltung und die zust&auml;ndige Abteilung im Bezirksamt Nord zu erh&ouml;hen um den Spuk zu beenden. (erk)<\/p>\n<p>weitere Artikel: taz, &quot;Streit ums Gedenken&quot; hier <span><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/regional\/nord\/hamburg\/artikel\/?dig=2008\/07\/28\/a0027&amp;cHash=9c1e6d3fcf\"><u>lesen<\/u><\/a><\/span><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, d. 27. 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