Pressemitteilung

Vor drei Wochen war der Hamburger Rechtsaußen Christoph de Vries, gestern als zukünftiger Staatssekretär im Bundesinnenministerium (BMI) von der CDU benannt, noch Festredner bei der Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ), einer der wichtigsten Zeitungen der sog. Neuen Rechten. Sowohl die Historike Wolfram Wette und Peter Oliver Loew als auch die Politikwissenschaftler Alexander Geisler und der verstorbene Wolfgang Gessenharter (Bundeswehr Universität Hamburg) sehen in der PAZ und ihren Vorgängertiteln Publikationsorgane der Neuen Rechten. Der Historiker Volker Weiß wies in diesem Jahr darauf hin, dass in der Zeitschrift auch die geopolitischen Thesen und Konzeptionen des russischen ultranationalistischen Philosophen Alexander Dugin und des rechten Publizisten Dimitrios Kisoudis „wärmstens empfohlen“ worden seien.

Laut Augenzeugenbericht saß im Publikum von Herrn de Vries auch der ehemalige Vorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg. Dieser war bis 2021 MdB für die Afd und gilt unter anderem aufgrund von verharmlosenden Aussagen zum Holocaust(„Mythos“)als rechtsextrem. Die PAZ ist bis heute das Organ der Vertriebenenorganisation Landsmannschaft Ostpreußen und hieß früher entsprechend Das Ostpreußenblatt. Dieses wurde ursprünglich von einem ehemaligen NS-Chefredakteur herausgegeben und von 1968 bis 1995 dann noch mal Hugo Wellems, der sein Handwerk im NS-Propaganda-Ministerium gelernt hatte. Der Nachfolger PAZ hat Überschneidungen zur rechtsextremistischen Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V. und erfüllt eine Scharnierfunktion zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus.

De Vries machte rassistische Aussagen

In seiner Heimatstadt Hamburg wurde de Vries vorallem durch rassistische Aussagen bekannt. So gab es 2021 einen Skandal als er mit dem Vokabular der NPD von einem „genuin deutschen Volk“ sprach. Deutschland sei deshalb kein Einwanderungsland, anders als die USA und Australien, die „kein eigenes Volk gehabt haben“ und leugnete neben seinem völkischen Diskurs auch gleich den Völkermord der europäischen Kolonialisten an der indigenen Bevölkerung. „Für einen solchen Schwachsinn darf es keinen Raum in der Debatte geben.“ De Vries vergifte „mit seinem Müll“ die Debatte, schrieb SPD-Mann Ademir Karamehmedovic damals. Die SPD-Politikerin Sawsan Chebli twitterte: „Ist schon heftig, was da bei der CDU unterwegs ist.“ Der Grünen-Politiker Konstantin von Notz merkte an: „Sagt jemand, der de Vries heißt. Kannste Dir nicht ausdenken.“ De Vries mischte sich 2021 auch in eine kriminologische Debatte mit rassistischen Tönen ein und sprach von „Personen, Phänotypus: westasiatisch, dunklerer Hauttyp.“
Michael Gwodsz, Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, nannte de Vries draufhin indirekt ein „Arschloch“: „Phänotyp blonde Haare, helle Haut schützt offenbar nicht davor, sich wie ein rassistisches Arschloch zu benehmen und das gesellschaftliche Klima zu vergiften.“

Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts: „Sollte die SPD einem Kabinett mit Herrn de Vries als Staatssekretär im BMI zustimmen, so werden ihre Aussagen zur Brandmauer wenig glaubhaft, denn der CDU-Mann vertritt AfD-Positionen.“

Hamburger Bündnis gegen Rechts