Aufruf

Solidarität mit den Angehörigen von Emal F.

Vollständige Aufklärung jetzt!

Am 17. April 2025 starb der 36-jährige Emal F. nachdem er sich in Polizeigewahrsam befand auf dem Polizeikommissariat 42 in Hamburg-Billstedt. Aus einer Anfrage von dem Abgeordneten Deniz Çelik der Linksfraktion vom 05.05.2024 geht hervor, dass nach §340 Strafgesetzbuch wegen Körperverletzung im Amt gegen einen Polizisten ermittelt wird. Der Beamte soll einen Faustschlag gegen den Kopf von Emal F. verübt haben, ohne ersichtliche Rechtfertigung (Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, 2025, S. 1–2). Laut dem Solidaritätsnetzwerk Hamburg ist dieser Beamte weiterhin im Dienst und nicht nur dass, auch kann nicht ausgeschlossen werden, dass dieser Faustschlag, nach dem vorliegenden Krankenhausbericht mit dem Tod des jungen Vaters zusammenhängt- so schreibt es das Netzwerk auf Instagram. Emal F. reiht sich ein, in eine besorgniserregende, repressive Polizeikultur, in welcher Menschen in Polizeigewahrsam nicht nur massive psychische, sondern eben auch körperliche Schäden bis hin zum Tod erleiden.

📣 Kommt zur Mahnwache und Demo!
🕕 Wann? Freitag, 1. August 2025, 18:30 Uhr
📍 Wo? Billstedter Marktplatz, Hamburg
Wir zeigen:
👉 Wir sind solidarisch mit der Familie von Emal F.
👉 Wir wollen Gerechtigkeit!
👉 Wir sind gegen Polizeigewalt!


Besonders marginalisierte Bevölkerungsgruppen (z.B. Menschen mit Migrationshintergrund, in Armut, mit Behinderung oder auch einer psychischen Erkrankung) sind von Polizeirepression betroffen. Die Taz spricht 2017 davon, dass ,,mindestens [die] Hälfte der von Polizeibeamt*innen getöteten Personen psychische Probleme hatten‘‘ (Peter, 2017), In einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung von 2022 geht hervor, dass von den seit 2010 mindestens 133 erschossenen Personen sich jede zweite in einer psychisch prekären Lage befand (Fischhaber et al., 2022). Die Hamburger Polizei teilt auf Anfrage von Dr. Thomas Feltes 2023 mit, dass es keine Übergreifenden Konzepte, Handlungsanweisungen oder Richtlinien für den Umgang mit Menschen in psychischen Ausnahmesituationen gibt (Feldes, 2023, S. 6). Es kann also stark davon ausgegangen werden, dass die dünne, empirische Datenlage hinsichtlich der Betroffenen von Polizeigewalt eng verschlungen ist mit der Dienlichkeit der Vertuschung. Anstatt sich der Problematik anzunehmen und eine reflexive Aufarbeitungskultur zu etablieren, setzen die Hamburger Innenbehörde weiterhin auf Mittel der strukturellen Ignoranz.

Eine quantitative Studie der Goethe-Universität Frankfurt ergab 2023 dass 90 Prozent der eingeleiteten Strafverfahren gegen Polizeibeamte von der Staatsanwaltschaft eingestellt werden, in ganzen 2 Prozent der Fälle, wird tatsächlich Anklage erhoben. Befragte Beamte aus Polizei und Staatsanwaltschaft berichten über eine Kultur, die den Schutz der Kolleg*innen über die Notwendigkeit der Offenlegung von Delikten stellt: Es sei schwer, Kolleg*innen zu belasten und aus staatsanwaltschaftlicher Perspektive unvoreingenommen an solche Delikte heranzugehen (Abdul-Rahman et al., 2023, S. 1–2). Diese Kultur ist für den Deutschen Repressionsapparat durchaus funktional, jedoch schadet die gesamtgesellschaftliche polizeiliche Deutungshoheit der lückenlosen Aufklärung von Polizeigewaltsdelikten (2023, S. 8).
Unter Berücksichtigung der aktuellen Beweislage als auch der systemischen Kritiknotwendigkeit hinsichtlich einer sich seit Jahren bestandshaltenden Gewaltkultur innerhalb des deutschen Polizeiapparates, muss unsere Solidarität zur Praxis werden. Polizeigewalt hat System. Unter den Betroffenen (tödlicher) Polizeigewalt finden sich hauptsächlich Menschen in psychischen Ausnahmesituationen, Migrant*innen, von Armut und Obdachlosigkeit Betroffene und andere marginalisierte Gruppen. Deshalb fordern wir die Offenlegung der Akten zu Emal F., die lückenlose Aufklärung zum Tode des jungen Vaters als auch präventive Maßnahmen zur Gewaltprävention innerhalb der Polizei Hamburg und bundesweit!

Zeigt euch solidarisch mit den Angehörigen von Emal F. bei der Demo und Mahnwache am 01. August 2025 um 18:30 Uhr auf dem Billstedter Marktplatz!

Aufruf in leichter Sprache:

Emal F. ist im Polizeigewahrsam gestorben
Wir fordern: Aufklärung und Gerechtigkeit!
Am 17. April 2025 ist Emal F. gestorben.
Er war 36 Jahre alt.
Er war Vater.
Die Polizei hatte ihn festgenommen.
Er war im Polizeigewahrsam in Hamburg-Billstedt.
Das heißt: Er war auf einer Polizeiwache eingesperrt.
Ein Polizist soll ihm mit der Faust auf den Kopf geschlagen haben.
Das steht in einem offiziellen Bericht.
Trotzdem arbeitet der Polizist noch immer.
Emal F. wurde ins Krankenhaus gebracht.
Dort ist er gestorben.
Man weiß bis heute nicht genau, woran er gestorben ist.
Aber der Schlag auf den Kopf könnte mit dem Tod zu tun haben.

Polizei muss Gewalt erklären
In Deutschland ist das nicht das erste Mal.
Immer wieder sterben Menschen im Polizeigewahrsam.
Es gibt eine Kultur der Gewalt.
Besonders Menschen die keine weiße Hautfarbe haben, sind betroffen.
Aber die Polizei sagt oft:
„Wir haben nichts falsch gemacht.“
Es wird vieles geheim gehalten.
Das finden wir gefährlich.
Eine Studie aus Frankfurt zeigt:
Meistens passiert nichts, wenn Polizistinnen Gewalt anwenden.
Nur in 2 von 100 Fällen gibt es eine Anklage.
Viele sagen:
„Es ist schwer, gegen Kolleginnen auszusagen.“

Wir fordern:
Die Wahrheit über den Tod von Emal F.
Alle Unterlagen sollen öffentlich gemacht werden
Die Polizei muss besser kontrolliert werden
Gewalt von Polizist*innen darf nicht versteckt werden

Quellen-, und Literaturverzeichnis
Abdul-Rahman, L., Espin Grau, H., Klaus, L., & Singelnstein, T. (2023). Studie / Übermäßige polizeiliche Gewaltanwendungen werden nur selten aufgearbeitet. Aktuelles aus der Goethe-Universität Frankfurt. https://aktuelles.uni-frankfurt.de/forschung/studie-uebermaessige-polizeiliche-gewaltanwendungen-werden-nur-selten-aufgearbeitet/ [24.07.25]
Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. (2025). 23_00310_todesfall_im_polizeigewahrsam_am_17_04_25_in_billstedt.pdf (Schriftliche Kleine Anfrage No. Drucksache 23/310; S. 1–3). https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/90925/23_00310_todesfall_im_polizeigewahrsam_am_17_04_25_in_billstedt#navpanes=0 [24.07.25]
Feltes, T. (2023). Polizeilicher Umgang mit psychisch beeinträchtigten Personen – Risiken und Nebenwirkungen1 (S. 1–13). https://www.thomasfeltes.de/images/Feltes_Polizeilicher_Umgang_mit_psychisch_beeintr%C3%A4chtigte_Personen_2023.pdf [25.07.25]
Fischhaber, A., Tausche, N., Wiegand, R., Dimitrov, S., & Germany, S. de G., Munich. (2022, November 18). Tödlicher Einsatz. Süddeutsche.de. https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/polizei-psychose-tod-dortmund-amsterdam-e311083/ [25.07.25]
Peter, E. (2017, Mai 17). Psychologe über tödliche Polizeischüsse: „Fast alle Fälle sind vermeidbar“. Die Tageszeitung: taz. https://taz.de/Psychologe-ueber-toedliche-Polizeischuesse/!5408530/ [25.07.25]