Pressemitteilung

AfD-Fraktion sucht Mitarbeiter in völkischer Burschen-Zeitung

Die Hamburger AfD-Fraktion sucht ab sofort einen „Referenten für Social Media“ und hat deshalb eine Anzeige in den Burschenschaftlichen Blättern (BBl), der offiziellen Verbandszeitung der völkischen Deutschen Burschenschaft (DB) geschaltet. Damit verortet sich die Hamburger AfD erneut rechts außen.Die DB ist ein Zusammenschluss von extrem rechten, deutschnationalen Burschenschaften in Deutschland und Österreich. In den letzten 20 Jahren ist die DB deutlich nach rechts gerückt und dies führte zu einem erheblichen Mitgliederverlust. 2008 hatte diese noch 123 Mitgliedsburschenschaften, inzwischen sind es laut eigenen Angaben nur noch 66. Vorausgegangen war ein Streit um einen sog. „Arierparagraphen“ bezüglich einzelner „nichtdeutscher“ Burschenschafter (1) und mehrere Skandale um braune Burschen. (2)

In Hamburg z.B. sind die Burschenschaft Hansea und die Burschenschaft Germania Königsberg nun nicht mehr Mitgliedsburschenschaften der DB. Einzig die berüchtigte Hamburger Burschenschaft Germania (HBG) im Stadtteil Marienthal ist hier noch Mitglied der DB. Sie wird nicht nur seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet, sondern ihr Mitglied Kevin Dorow ist auch gleichzeitig Schriftleiter der BBL, wo die AfD-Fraktion nun die Anzeige schaltete. Außerdem war Dorow Funktionär der gesichert rechtsextremistischen Jungen Alternative (JA) bis der Jugendverband der AfD vorsichtshalber von der Mutterpartei aufgelöst wurde und war aktiv für das rechtsextreme Vorfeld der Partei.(3)

Dass die Hamburger AfD nun in solchem Umfeld nach einer Referent*in für Social Media sucht, ist bezeichnend. Social Media Accounts der Partei dienen oftmals als Radikalisierungsmaschine und strahlen weit in das Umfeld der Partei bis hinein in militante Szenen wie die Identitäre Bewegung und neonazistische Kreise aus. Außerdem spricht die Partei mit TicToc, Instagram und Co. gezielt junge potentielle Wähler*innen an. Eine neue Referent*in trifft in der Medienabteilung der Fraktion  auf ein schon bestehendes burschenschaftliches und extrem rechtes Milieu. Bis zum Frühjahr dieses Jahres war Robert Offermann erster Pressesprecher der AfD-Fraktion. Er nahm nicht nur an einem Naziaufmarsch teil, sondern ist ebenfalls Alter Herr einer DB-Burschenschaft, veröffentlichte ein Pamphlet über einen verurteilten französischen Rechtsterroristen und zweifelte an der „Offensichtlichkeit“ des Holocaust.(4)

Dass Offermann Mitglied der rechtsextremistischen Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland  (JLO) war, wollte er gegenüber dem Hamburger Abendblatt lieber nicht dementieren.(5)
Nachfolger von Offermann wurde nun im April der ehemalige zweite Pressesprecher Daniel Merkens. Er nahm an Aktionen der rechtsextremistischen Identitären Bewegung teil. Außerdem liegt ein Foto von ihm vor, das Menkens mit einem T-Shirt der Nazi-Black-Metal-Band „Burzum“ des Musikers Varg Vikernes zeigt. Die Band ist in der Naziszene vor allem deshalb bekannt, weil der Norweger 1993 wegen Mordes, mehrere Kirchenbrandstiftungen und Sprengstoffbesitzes zu 21 Jahren Haft verurteilt wurde. Auch nach seiner vorzeitigen Haftentlassung bezeichnete sich Vikernes nach eigenen Angaben als Rassist.(6)

Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts: „Die gezielte Werbung der AfD-Fraktion in einem deutschnationalem, völkischem Blättchen zeigt, dass die auf der jüngsten Klausurtagung der Bundespartei beschlossene Mäßigung der AfD reine Makulatur ist, um die geheimdienstliche Beobachtung und ein mögliches Verbot abzuwehren.“

Hamburger Bündnis gegen Rechts, 22.08.2025

1) https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/rechtsruck-im-dachverband-burschenschafter-streiten-ueber-ariernachweis-a-767788.html
2) https://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/datenleck-interne-papiere-enthuellen-rechtsextremismus-bei-burschenschaften-a-774524.html
3) https://tinyurl.com/5ycmwtf7
4) https://www.ardmediathek.de/video/hamburg-journal/wie-rechts-ist-die-hamburger-afd/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS85ZWRmMTc2NC1iOTFlLTQ4OWEtOTE3Ni1lNWI2MGY2OGJmNmM  und
https://afd-watch-hamburg.org/pressekontakt-brandstifter/
5) https://www.abendblatt.de/hamburg/article403937333/extremisten-in-der-afd-geheime-mail-wirft-fragen-auf.html
6) https://afd-watch-hamburg.org/akteurinnen/rechtsextreme-parlamentarische-mitarbeiterinnen/