Offener Brief: Kein Neonazi-Zentrum bei der Thiede GbR in Neumünster – Kündigung sämtlicher Geschäftsbeziehungen mit der AfD in Ihrer Liegenschaft
Sehr geehrter Herr Thiede,
in Ihrem Internetauftritt beschreiben Sie sich als tradtionsreiches hanseatisches Familienunternehmen mit Sitz in Hamburg, welches in Neumünster, Bordesholm und Bornhöved die Vermietung und Verwaltung von Gewerbeimmobilien und Wohnungen betreibt, und führen den „Schwale Gewerbepark“ in der Christianstraße 160-164 in Neumünster mit auf, der seit Jahresbeginn als neue AfD-Landeszentrale genutzt wird. Neben den alltäglichen politischen Skandalen der AfD um Korruption, Vetternwirtschaft und NS-Rhetorik häufen sich in letzter Zeit Neonazi-Skandale, die direkt mit der Vermietung Ihrer Räumlichkeiten an die AfD zu tun haben.
Dies wird besonders an einigen Beispielen deutlich:
22.10.2025 In der Christianstraße 160-164 findet ein sogenannter „Bürgerdialog“ mit den drei AfD-Bundestagsabgeordneten Alexis Giersch, René Bochmann und Stefan Henze statt. Alexis Giersch ist Alter Herr der extrem rechten „Hamburger Burschenschaft Germania“.1 Sein Parteibüro fand sich zwischenzeitig in Schwentinental im Kreis Plön, vermietet durch einen bekannten Reichsbürger aus der Region.
23.02.2025 Bei der Wahlparty der AfD zur Bundestagswahl wird eine rassistische Nazi-Parole gegrölt. Nur angemeldete Personen erhielten Zutritt zu den Räumlichkeiten in der Christianstraße 160-164 und rufen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“2
15.01.2026 Die AfD-Landeszentrale wird offiziell nach Neumünster in die Liegenschaften der Thiede GbR verlegt. Somit hat eine weitere extrem rechte Partei ihren Hauptsitz in der Schwalestadt.3
18.01.2026 Neugründung der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland” in der neuen AfD-Landeszentrale in der Christianstraße 160-164.
28.02.2026 Aktionstag der AfD-Jugendorganisation mit politischem Straßenkampf-Training
Nur wenige Wochen nach der Neugründung trifft sich die AfD-Jugendorganisation zum politischen Straßenkampf-Training in Ihren Liegenschaften. Auf einem Gruppenfoto vom 28.02.2026, auf dem u.a. die Beisitzer der AfD-Jugendorganisation Max-Lucca Kalliebe und Amir Imeri mit ca. 20 anderen Mitgliedern zu sehen sind, posiert die AfD-Jugendorganisation im Anschluss mit geballten Fäusten vor dem alternativen Jugendzentrum, das als politisches Feindbild der AfD verortet wird.
„Für Verängstigung nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch von Kindern und Jugendlichen, die die Einrichtung besuchen, habe auch eine Aktion von Vertretern der „Generation Deutschland“, der Jugendorganisation der AfD, gesorgt. Sie posierten am 28. Februar mit Deutschlandfahne und vorgehaltenen Fäusten vor der Einrichtung an der Kieler Straße.“, schrieb dazu die SHZ.4
Schon 2023 trainierte die AfD-Jugendorganisation mit einem Mitglied der Neonazi-Gruppierung „Junge Tat“ aus der Schweiz den politischen Straßenkampf. Die „Junge Tat” fiel als antisemitische, neonazistische und paramilitärische Neonazi-Organisation auf und nahm anschließend an weiteren Vernetzungstreffen mit der AfD und der in Deutschland verbotenen Neonazi-Organisation „Blood & Honour” teil, z.B. im Raum Zürich am 14.12.2024.5 6
Die AfD-Jugendorganisation wird von Personen geführt, die ideologische Schnittmengen mit dem Nationalsozialismus nicht glaubwürdig von sich weisen, sondern regelmäßig mit Nazi-Anspielungen einer rassistischen „Volksgemeinschaft” provozieren. Das zwischenzeitige Bundesvorstands-Mitglied Kevin Dorow plante eine AfD-Landtagskandidatur und bezog sich in seiner erfolgreichen Bewerbungsrede für den Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation mit einem Spruch, der auch als Leitsatz der Hitlerjugend und bei Björn Höcke Verwendung fand. Kaum im Amt provozierte er zum sog. Volkstrauertag 2025 mit einem Lied, das auch als SS-Treueschwur bekannt wurde. Kevin Dorow gibt sich bei Kritik diesbezüglich ahnungslos, ist aber lange Mitglied der extrem rechten „Hamburger Burschenschaft Germania”, einer schlagenden Verbindung, die wiederholt mit NS-Bezügen aufgefallen ist. Er tritt als Schriftleiter für das extrem rechte Propaganda-Blatt der „Deutschen Burschenschaft” auf. Seine politische Karriere begann beim Neonazi-Verlag von Dietmar Munier in Martensrade und geht aktuell in der AfD Rendsburg-Eckernförde auf.7 8
Am 02.05.2026 beteilige sich AfD-Politiker Kevin Dorow mit den bereits erwähnten Beisitzern der AfD-Jugendorganisation aus Schleswig-Holstein beim „Jungeuropa”-Treffen in Thüringen. Dort nahmen u.a der NSU-Unterstützer André Kapke, Thomas Gerlach von der zeitweilig verbotenen Neonazi-Organisation „Hammerskins”, Mitglieder von der NPD-Nachfolge-Organisation „Heimat” und die „Identitäre Bewegung”, Kampfsport-Veranstalter Alexander Deptolla sowie andere Neonazis neben höherrangigen AfD-Politikern z.T. aus dem Europa-Parlament teil.
„Das Verlagstreffen zog neben dem sich selbst als rechtsintellektuell inszenierenden Milieu auch militante Neonazis an. Dazu zählte der enge Vertraute des NSU-Kerntrios André Kapke aus Uhlstädt. Zumindest in den ersten Monaten war Kapke einer der Hauptunterstützer des flüchtigen Kerntrios. Er organisierte gefälschte Pässe und finanzielle Unterstützung für das NSU-Kerntrio und wirbt heute noch um Solidarität mit dem inhaftierten NSU-Mordhelfer Ralf Wohlleben. Gemeinsam mit ihm und Thomas Gerlach organisierte er das von 2006 bis 2010 stattfindende europaweite Neonazitreffen „Fest der Völker“, bei dem nahezu ausschließlich Blood&Honour-Bands auftraten.”, führt das Rechercheportal Jena-SHK dazu aus.9
Ein Vernetzungstreffen mit rechtsterroristischem Beiklang unter Teilnahme von AfD-Mitgliedern, die sich in Ihrer Liegenschaft in Neumünster zum Straßenkampf-Training treffen, ist noch nicht mal die jüngste Spitze des Eisbergs. Auch andere AfD-Mitglieder haben seitdem in der Christianstraße 160-164 schnell einen Ort für die Normalisierung extrem rechter Erlebniswelten gefunden.
Am 04.05.2026 traf sich der Kampfsport-Verein „Kämpferschmiede Neumünster“ in Ihren Liegenschaften und hielt seitdem mehrere Trainings an ihrem neuen Vereinssitz ab. Hinter dem neuen Verein in Gründung steckt Benjamin Niemeyer, ein parlamentarischer Mitarbeiter der AfD Baden-Württemberg. Außerdem ist er Mitglied der extrem rechten „Burschenschaft Germania Marburg” und Geschäftsführer des alternativen Medienunternehmens „Niemeyer Rundfunk GmbH”. Mit dem mittelalterlichen Vollkontakt-Kampfsport „Buhurt” konnte Niemeyer bereits für den Decima Medieval Fight Club antreten. Der örtlich ansässige Verein für Toleranz und Zivilcourage Neumünster sieht hier die strategische “ Normalisierung von rechten Erlebniswelten – Schritt für Schritt.”10
In Ihren Räumlichkeiten wird ein extrem rechtes Veranstaltungs- und Parteizentrum der AfD und ein Anlaufpunkt für ihr neonazistisches Vorfeld aufgebaut. Mitglieder der AfD nutzen es als Organisationsstützpunkt und Kaderschmiede, nebenbei wird der politischer Straßenkampf trainiert und politischen Gegner*innen in Neumünster unverhohlen “der Kampf angesagt”.13
Eine Organisation, die unter dem Deckmantel einer Partei extrem rechte Propaganda salonfähig macht, hat in Neumünster keinen Platz, das haben die zahlreichen antifaschistischen Proteste aus der Zivilgesellschaft untermauert. Von Ihnen war jedoch bislang öffentlichkeitswirksam kein Umdenken erkennbar, diesen bedrohlichen Aktivitäten, ausgehend von Ihren Räumlichkeiten der Thiede GbR im „Schwale Gewerbepark” Neumünster, ein Ende zu setzen.
Als Hamburger Bündnis gegen Rechts fordern wir Sie daher auf, die Geschäftsbeziehungen zur AfD in Schleswig-Holstein zu beenden und ihr nicht länger Räumlichkeiten durch Ihr Unternehmen bereitzustellen. Als Inhaber der Thiede GbR, die in ihrer Selbstbeschreibung als traditionsreiches Familienunternehmen u.a. mit „hanseatischen Werten” und „Verantwortung“ wirbt, passt das alles nicht mit dem politischen Profil einer extrem rechten Partei zusammen, die ständig mit Neonazi-Skandalen auffällt und in Neumünster ein extrem rechtes Veranstaltungszentrum vorantreibt.
Erstunterzeichner*innen:
Hamburger Bündnis gegen Rechts
Verein für Toleranz und Zivilcourage Neumünster
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Neumünster
Antifa Neumünster
Weitere:
Aufstehen gegen Rassismus Hamburg
Brigate Garibaldi Sankt Pauli e.V.
Internationaler Jugendverband Neumünster
Junge Linke Eimsbüttel
Marienthal Bleibt Bunt!



