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 „Meine Großmutter“, so hat Stephanie Krawehl gesagt, „wäre stolz, dass dieser Ort entsteht.“ Die nämlich sei eine Verfolgte des NS-Regimes gewesen, sei denunziert und von der Gestapo im Stadthaus verhört worden – genau dort also, wo jetzt sie, die Enkeltochter, eine Gedenkstätte für die Gestapo-Opfer betreibt. Eine Fügung des Schicksals, so schien es. Nun aber kommt raus: Die Geschichte war doch ein wenig anders …
Gestritten wird über die Gedenkstätte seit Monaten. Angehörige (tatsächlicher) NS-Opfer sind entsetzt darüber, dass der Projektentwickler Quantum Immobilien AG den Gebäudekomplex, in dem sich einst der Folterkeller der Gestapo befand, in eine Art Konsumtempel verwandelt: Geschäfte, Büros, Wohnungen. Eine Art Hackesche Höfe von Hamburg soll es werden. Ein Hotel gibt es auch: „Tortue“ heißt es. Das ist französisch und bedeutet Schildkröte. Daran, dass jemandem die Torturen in den Sinn kommen könnten, die einst die NS-Opfer erlitten haben, nein, darauf ist der Betreiber wohl nicht gekommen.

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