Aus dem Bündnis

Keine Bühne den Faschisten – nicht im Theater, nirgendwo!

Im Thalia Theater wurde der extremen Rechten eine Bühne gegeben! „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen“ – auch im Theater

Im Hamburger Thalia Theater fand vom 13. bis 15. Februar 2026 ein von Milo Rau und Robert Misik inszeniertes Theaterstück „Prozess gegen Deutschland“ statt. Konkret: Fünf Theateraufführungen von insgesamt rund 15 Stunden. Der Kern des Theater-Spektakels speiste sich aus der gesellschaftlichen Debatte um ein AfD-Verbot, dem Einfluss rechter Medien und Desinformation auf Minderjährige und der Gewaltaffinität der AfD.

Die Verantwortlichen haben hierzu neben AfD-Kritiker:innen auch hochrangige Vertreter:innen aus dem Spektrum der AfD und mit diesem korrespondierenden Gruppen/ Milieus eingeladen.

Darunter waren ehemalige AfD-Abgeordnete, eine ehemalige Vorsitzende der AfD, jetzt „Team Freiheit“, ein Kolumnist der Bild-Zeitung sowie ein bekannter Influencer der extremen Rechten. Weitere extrem rechte Akteure waren eingeladen, ihr Nicht-Erscheinen sogar bedauert worden.

Eingeladene antifaschistische Mitwirkende wurden nicht oder zu spät über das auftretende Ensemble informiert. Wenigstens zwei sagten nach Bekanntwerden der Beteiligung von Personen aus der faschistischen Szene ab. Richtig so.

Rechte Akteur:innen und Wegbereiter:innen der Faschisten konnten in diesem als Prozess gerahmten Setting ihre reaktionären Positionen bis hin zu menschenfeindlicher Ideologie ungehindert verbreiten.

Im Kampf gegen den Faschismus gilt der Grundsatz Rechte und Faschist:innen nicht einzuladen, nicht gemeinsam aufzutreten und ihnen keine Bühne für ihre Propaganda zu geben. Bei der Inszenierung am Thalia-Theater wirkten bekannte linke Akteur:innen in tragenden Rollen mit. Die Brandmauer gegen Rechts wurde hier eingerissen. Das steht im deutlichen Widerspruch zum Grundsatz „Kein Fußbreit den Faschisten“.

Völlig absurd ist es natürlich, mit Vertreter*innen der extremen Rechten über ein AfD-Verbot diskutieren zu wollen.

Wir blockieren die Faschisten auf der Straße. Darum haben wir im letzten Jahr in Hamburg mit 20.000 Antifaschist:innen gegen den Auftritt von Alice Weidel im Hamburger Rathaus demonstriert, in Riesa gegen den AfD-Parteitag und in Gießen gegen die Gründung der AFD-Jugendorganisation. Die Bemühungen der antifaschistischen Zivilgesellschaft, der AfD und ihrer menschenfeindlichen Ideologie jegliche Räume streitig zu machen, werden durch solch ein „Theater“ konterkariert.

Das im Thalia-Theater organisierte bunte Potpourri produzierte ein Kunstwerk, das in seinem Erkenntnisgewinn unterhalb des Gutachtens des Bundesamtes für Verfassungsschutz zur AfD verblieb. Die am Ende knappe Zustimmung der ausgewählten Theater-Jury zum Prüfauftrag für ein AfD-Verbot und die zur Schau getragene Höflichkeit gegenüber rechten Akteur:innen sind an Entmächtigung kaum zu toppen.

Die klare und kompromisslose Abgrenzung gegenüber rechten Ideologien und ihren organisierten Partei-Strukturen wurde aufgeweicht, die Forderung nach einem AfD-Verbot geschwächt.

Im Ergebnis erzeugte der Auftritt rechter Akteur:innen im Thalia Theater eine enorme Resonanz in rechten Kanälen, die Faschismus als eine Meinung neben anderen verharmlosen. Eine Normalisierung extrem rechter Positionen als wählbare Alternative, die im Diskurs auf Augenhöhe ihre Berechtigung hätte. Ein Theater, das rechte Positionen hofiert und stärkt, nicht konfrontiert und konsequenzlos bleibt, schadet der antifaschistischen Resistance.

Hamburg, 02.03.2026

Quellen:
Webseiten Thalia-Theater zum „Prozess gegen Deutschland“
https://www.thalia-theater.de/de/stuecke/prozess-gegen-deutschland/264
Robert Misik zu Milo Raus Prozess gegen Deutschland, „Der Freitag“ vom 19.02.2026
https://www.freitag.de/autoren/robert-misik/robert-misik-milo-raus-prozess-gegen-deutschland-ist-kunst-es-war-perfekt
Leonie Plaar, Statement zur Absage zur Teilnahme am Prozess gegen Deutschland vom 13.02.2026
bei Bluesky nur mit Login
Rainer Mühlhoff, Absage vom 13.02.2026
https://rainermuehlhoff.de/absage-prozess-gegen-deutschland-Milo-Rau