Türkischer Sportverein lädt AfD-nahen Schwurbelsänger wieder aus!
Das ging sehr schnell. Binnen zweier Stunden wurde ein für den 13. März geplantes Konzert mit dem extrem rechten Liedermacher Yann Song King (YSK), veranstaltet von dem „Nachdenkseiten Gesprächskreis Hamburg“, wieder abgesagt. Das „Hamburger Bündnis gegen Rechts“ (HBgR) hatte den Sportverein über die politische Orientierung des Sängers aufgeklärt. „Unser Selbstverständnis als Verein umfasst eine antifaschistische/antirassistische Haltung“ erklärte der Gründungsvorsitzender Behcet Algan vom Galatasaray Hamburg Sportverein daraufhin gegenüber dem HBgR. Bei der Vermietung unserer Räumlichkeiten Galatasaray war weder der Name des auftretenden Künstlers noch dessen politischer Hintergrund bekannt. Nun werden die Nachdenkseiten und YSK wahrscheinlich neue Räume suchen und wohlmöglich wieder ohne Ross und Reiter zu nennen.
Musik für Corona-Leugner, AfD und Neonazis
YSK, mit bürgerlichem Namen Jan Wetzel, ist laut Selbstdarstellung ein „schwurbelnder Liederkönig und beliebter Heimatdichter aus Dresden“und begann seine Karriere als Liedermacher für die verschwörungsgläubige und extrem rechte Szene im Zuge der Corona-Pandemie. https://www.deutschlandfunkkultur.de/coronademos-musik-100.html Im Laufe der Zeit entwickelte er sich vom Begleiter der Querdenken-Proteste über den rechten Saum der neuen Friedensbewegung zum beliebten Star bei der AfD und noch weiter rechts.

So trat YSK zum Beispiel im Mai 2024 bei einem Solidaritätsfest für die AfD in Zittau auf. Veranstalter war das Compact-Magazin, welches vom Inlandsgeheimdienst seit 2021 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Einen Monat zuvor hatte der Schwurbelbarde schon den neofaschistischen „Freien Sachsen“ mit Gesprächspartner Andreas Hofmann (DJ Happy Vibes) ein Interview gegeben. Die Partei „Freie Sachsen“ gilt als Sammelbecken verschiedener rechtsextremistischer Organisationen und Bewegungen mit dem Ziel, die Zersplitterung des Rechtsaußenspektrums zu überwinden und wurde u.a. von bekennenden Neonazis und ehemaligen Mitgliedern der NPD gebründet. Immer wieder tritt YSK auch bei der AfD oder ihrem Umfeld auf. So zuletzt gerade erst am 20. Februar 2026 bei der AfD in Pankow. (Sreenshot) Aus Sympathie komponierte er sogar extra den Song „Putin und die AfD“.
Rechtsterrorismus nur eine Schmierenkomödie?

Seine Lieder adaptieren häufig bekannte Schlager, Pop-Songs oder Volkslieder und werden von YSK mit neuen Texten versehen. Vordergründig sind diese oft ironisch und doppeldeutig, im Kern jedoch eindeutig rechts, bis hin zur Verharmlosung von Rechtsterrosismus. So ist ein besonders perfides Beispiel sein Song „Wir fahren heut´zum Putsch“ unterlegt mit der Melodie des deutschen Kinderlieds „Ri-Ra-Rutsch, wir fahren in der Kutsch“. Mit dem Video und dem Text verdeutlich YSK, dass er das bisher größte rechtsterroristische Netzwerk seit dem NSU, die „Gruppe Reuss“, für eine, so seine Worte „Schmierenkomödie nach einer Erzählung des BMI“ hält – gemeint ist das Bundesministerium des Innern. Seit April 2024 laufen gegen 26 Angeklagte der Gruppe Reuss drei Prozesse vor den Oberlandesgerichten Frankfurt am Main, München und Stuttgart; die Bundesanwaltschaft wirft ihnen unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und geplanten Hochverrat vor.
Auch die „Nachdenkseiten“ aus Hamburg bewegen sich in einem, vorsichtig ausgedrückt, problematischem Kontext. Während der Corona-Pandemie nahmen sie mehrmals an den Aufmärschen der Corona-Leugner-Bewegung unter dem verharmlosdenen Namen „Kunsthallen-Demos“ teil. Diese waren nach rechts weit offen: Reichsbürger*innen, Teile der AfD-Fraktion und Partei und Aktivist*innen der NPD nahmen an den Aufmärschen teil. Am 4. Dezember brachten die Nachdenkseiten sogar extra ein eigenes Transparent mit zu dem Aufmarsch.

Felix Krebs vom Hamburger Bündnis gegen Rechts: „Raumanmietungen der extremen Rechten bei Sportclubs, Kleingartenvereinen oder in der Gastronomie kommen regelmäßig vor, oftmals unter Verschleierung des eigentlichen Zwecks. Ob sich 2024 die AfD sich beim TSV Stellingen versammlen wollte oder 2025 eine Fight-Night mit Neonazis im Docks stattfinden sollte. Wir fordern den Hamburger Sportbund auf, die vorbildliche Haltung von Galatasaray Hamburg als Anlass zu nehmen für diese getarnten Anmietungen zu sensibilisieren.“
Für eine Beratung bezüglich der Raumkündigung empfehlen wir allen die unsicher sind, wie sie verfahren sollen das Mobile Beratungsteam der Stadt Hamburg gegen Rechtsextremismus. und den Ratgeber für Sport-, Schützen- und Kleingartenvereine, Gaststätten und Hotels „Rechtsextremisten nicht auf den Leim gehen“
Hamburger Bündnis gegen Rechts



