Warum leugnet der Hamburger AfD-Politiker Alexander Wolf einen Völkermord?

Die Hamburger Morgenpost berichtete gestern über einen skandalösen Auftritt des Hamburger AfD-Abgeordneten Alexander Wolf im Deutschen Bundestag. Er leugnete den Völkermord an den Herero und Namen im heutigen Namibia 1904, damals die Siedler-Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“.(1) Wolfs agressive kolonial-rassistische Geschichtsleugnung lässt sich nur vor seinem burschenschaftlichen und familiären Hintergrund verstehen.
Wolf wurde 1967 in Leipzig geboren und durfte 1979 in die BRD übersiedeln, wo er 1987 in München Abitur machte und zwei Jahre später als junger Student in die Burschenschaft Danubia eintrat. Die Danubia gehört dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) an und innerhalb dieser wiederum dem völkisch-nationalistischen Kartell „Burschenschaftliche Gemeinschaft“ (BG). Im Handbuch Deutscher Rechtsextremismus von 1996 kann man über die damalige Zeit lesen: „Die Danubia muß als rechtsextreme Kaderschmiede für den Hochschulbereich bezeichnet werden. Sie verfolgt das Ziel, rechts vom Konservatismus tragfähige, parteiförmige oder studentische Strukturen zu schaffen“ und orientiere sich dabei an ethnopluralistischen Vorstellungen.(2)
Nachdem Wolf 1994 sein Jurastudium beendet hatte, machte er sein Referendariat, inklusive eines Auslandsaufenthalts in Namibia. Auch hier war er in burschenschaftlichen Kreisen unterwegs. Das Hamburg Abendblatt berichtete, dass er einem „Waffenring“ in Winhoeck angehörte, einem Zusammenschluss von Mitgliedern schlagender Studentenverbindungen in der Hauptstadt der ehemaligen Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“.(3)
Wolfs kolonial-rassistische Schwiegereltern
Einer der ebenfalls im Waffenring Windhoeck vernetzt war, war der Schwiegervater von Wolf, Ralph Schröder, ehemaliger Vorsitzender der Burschenschaft Thuringia Braunschweig und burschenschaftlicher Experte für „Volkstumsarbeit“. Volkstumsarbeit betrieb Schröder allerdings nicht nur für die Deutsche Burschenschaft, sondern auch als erster Vorsitzender in einem NPD-nahen Verein namens „Hilfskomitee südliches Afrika.“ Dieser wurde gegründet als die ehemaligen Kolonialisten an Einfluss im südlichen Afrika verloren und die internationale Boykott-Bewegung gegen das Apartheidsregime stärker wurde. „Das Überleben sichern“ (der „Weißen“) war das Motto des deutschen Rassisten-Vereins. Im Netzauftritt wurde bis vor wenigen Jahren als Impressum Ralph Schröder mit einer Villa in der Heilwigstraße in Hamburg angegeben, die jetzt von Alexander Wolf und seiner Familie bewohnt wird.(siehe Screenshots)
Auch Wolfs Schwiegermutter, Ulla Schröder, war in einem kolonial-rassistischen Verein tätig. Bis zu ihrem Tod war sie Erste Vorsitzende in dem Hamburger Verein „Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen / Freunde der früheren deutschen Schutzgebiete e.V.“ Für den Verein erklärte 2012 sie bei einer Gedenkfeier für die verbrecherischen Kolonial-Truppen in Namibia „Wir wollen unsere Kriegsopfer auch in Zukunft nicht verstecken oder ignorieren, wie deutsche offizielle Kreise das auch hier im Lande tun. Das sehen wir als traurigen Tiefpunkt unserer Kultur an. Diese Haltung haben wir jahrzehntelanger Geschichtsverfälschung zu verdanken.“ Danach sang sie das Deutschland-Lied – natürlich inklusive der 1. Strophe „Deutschland, Deutschland über Alles.“ Außerdem förderte Ulla Schöder ein Projekt namens „Deutsch Privatschulen in Namibia“, über das sie in dem NPD-nahen Verein ihres Ehemannes berichtet. Nachdem das Ehepaar Schröder überraschend 2014 bei einem Autounfall auf dem Weg zu einer Kolonial-Feier tödlich verunglückte(4) überbrachte MdB Alexander Wolf Spendengelder die seine Mutter gesammelt hatte zu den deutschen Schulen.
Hamburger Bündnis gegen Rechts



