Unser Redebeitrag auf der Kompliz*innen zum 8. März Demo
Unsere Kämpfe sind verbunden. Unsere Solidarität auch.
Liebe Kompliz*innen,
Feminismus haben wir im Bündnis bisher nicht als Kernthema des HBgR gesehen. Und genau das ist das Problem! Antifeminismus wird nicht als Kernthema der extremen Rechten gesehen und Feminismus unter Antifaschist*innen auch nicht als Kernthema angenommen.
Antifeminismus ist kein Randthema der extremen Rechten.
Er ist ihr ideologischer Kern.
Schaut euch die Alternative für Deutschland an:
Sie hetzt gegen „Gender-Ideologie“, gegen queere Menschen, gegen Selbstbestimmung.
Sie greift das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche an.
Sie verteidigt die „traditionelle Familie“ – und meint damit Hierarchie.
Antifeminismus arbeitet mit einem komplexen Bedrohungsszenario.
Er behauptet, unsere Gesellschaft stehe kurz vor dem moralischen, kulturellen und demografischen Zusammenbruch.
„Gender-Ideologie zerstört die Familie.“
„Feminismus entmännlicht die Gesellschaft.“
„Geburtenrückgang führt zum Untergang des Volkes.“
Das sind mythologisierte Erzählungen.
Ähnlich wie bei anderen Ideologien von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit z.B. Antisemitismus wird eine komplexe, schwer durchschaubare Moderne – Globalisierung, soziale Umbrüche, veränderte Arbeitsverhältnisse, Individualisierung – auf ein klares Feindbild projiziert.
Es werden Schuldige konstruiert, und es entsteht ein diffuses, emotional aufgeladenes Bedrohungsgefühl.
Antifeminismus ist deshalb nicht nur reaktionär.
Er ist eine autoritäre Krisenideologie.
Wir haben dieselben Gegner*innen.
Die feministische wie die antifaschistische Bewegung kämpfen gegen die Aufwertung einer Gruppe gegenüber einer anderen. Wir kämpfen gegen Unterdrückung und autoritäre Strukturen – egal ob sie im Staat, im Kapitalismus oder in der Kleinfamilie stattfinden.
Der Schutz unserer Rechte ist der erste Widerstand.
Die Geschichte lehrt uns: Unter faschistischen Regimes sind das Recht auf körperliche Selbstbestimmung und die Rechte von Frauen und LGBTIQA+-Menschen mit die ersten, die fallen. Der Kampf für das Recht auf Abtreibung oder für queere Schutzräume ist deshalb eine antifaschistische Notwendigkeit.
Doch wir müssen auch ehrlich zu uns selbst sein.
Obwohl wir es in unseren eigenen antifaschistischen Zusammenhängen besser wissen müssten, spiegelt sich gesellschaftlicher Sexismus auch bei uns wider. Trotz antisexistischer Lippenbekenntnisse finden wir auch in der Linken noch zu oft Mackertum und klassische Rollenverteilungen.
An die endo Cis-Männer in unserer Bewegung:
Reflektiert euer Verhalten aktiv. Es reicht nicht, eine Fahne zu tragen. Es geht darum, Privilegien abzugeben, zB
– das Protokoll zu schreiben,
– emotionale Carearbeit mit einzelnen Gruppenmitglieder oder in Konflikten zu übernehmen,
– Redeanteile zu teilen und zu verstehen: Feminismus ist Kernbestandteil antifaschistischer Praxis.
Und es ist an der Zeit, dass ihr euch endlich auch untereinander korrigiert. Es kann nicht sein, dass immer wieder wir es sind, die Machtasymmetrien wahrnehmen, hinterfragen und für Veränderung sorgen!
Orientieren wir uns doch einfach an der „dickköpfigen Widerständigkeit“ des Alltäglichen, wie die polnische Philosophin und Aktivistin Ewa Majewska sie beschreibt. Wir brauchen keine einsamen Held*innen. Wir brauchen eine feministische Gegenöffentlichkeit, die rassistische, antisemitische, ableistische und sexistische Ausgrenzung permanent angreift! Und eine, die Mehrfachdiskriminierung endlich ernst nimmt.
Wir lassen uns nicht spalten! Die Kämpfe gehören Zusammen! Feminismus heißt Antifaschismus.
Gegen den Faschismus.
Gegen das Patriarchat.
Für einen feministischen Antifaschismus, der diesen Namen verdient.
Hoch die internationale Solidarität.



